Die Träne in der Stimme
Als Einat Ziv noch ein kleines Mädchen war, kauerte sie stets vor den für sie riesigen Lautsprechern im Wohnzimmer ihrer Eltern, legte ihr Ohr daran, um der Musik möglichst nah zu sein. So tauchte sie früh in eine Welt ein, die für die meisten ihrer
Altersgenossen eine fremde Welt war. Ihnen erschien es merkwürdig, dass ein so kleines Mädchen mit dem festen Vorsatz durchs Leben ging, einst eine Opernsängerin zu werden. Doch stellte für Einat Ziv die Welt der Musik und der Oper ein großes, faszinierendes Geheimnis dar, in dessen Bann sie bis heute geschlagen ist.
Die Verhältnisse, in denen Einat Ziv aufwuchs, waren einfach, doch genoss sie von klein auf die volle Unterstützung ihrer Eltern und ihrer Verwandten, die sie ob ihres so früh ganz unbescheiden vorgetragenen Berufszieles zunächst einmal belächelt hatten. Je länger sie aber an ihrer Idee festhielt, desto klarer wurde ihrer Familie, dass es sich dabei nicht um eine Kindeslaune handelte, sondern um eine tief gefühlte Berufung.
Bald sang sie in Kinderchören, die sich während der Schulferien unter Beteiligung namhafter israelischer Musiker ein ernsthaftes Programm erarbeiteten. Einmal war die bekannte israelische Altistin Mira Zakai anwesend, und als Einat Ziv sie singen hörte, nahm sie sich vor, einst so singen zu können wie Mira Zakai.
Mit vierzehn Jahren, zeitgleich mit ihrem Eintritt in ein Gymnasium, in dem Literatur und Darstellende Künste einen Schwerpunkt bildeten, bekam Einat Ziv ihre erste Gesangslehrerin. Auch ihr Einsatz in Chören ließ nicht nach, so dass sie bei erreichter Volljährigkeit schon über eine beträchtliche Vortragserfahrung verfügte.
Im Jahre 1998 von der Jerusalemer Akademie für Musik und Tanz zum Gesangsstudium aufgenommen, erreichte Einat Ziv binnen vier Jahren ihren Meisterabschluss, dem sie weiterführende Studien bei Sharon Rostorff-Zamir folgen ließ.
Schon als junge Gesangschülerin fiel sie mit ihrem vollen lyrischen Sopran auf, sodass ihr in den Aufführungen ihrer Akademie die tragenden Sopran-Rollen zufielen. Im Jahr 2003 wurde sie vom Chor der Israelischen Philharmonie entdeckt, dem ein Engagement an der Israelischen Oper Tel Aviv folgte. Sowohl mit der Phiharmonie als auch mit der Oper Tel Aviv untenahm sie, neben Auftritten in allen Produktionen, internationale Konzertreisen, die sie in viele Länder Europas führten.
Seit 2007 lebt Einat Ziv nun in Berlin, wo sie sich bis heute mit zahlreichen Solokonzerten schon einen Namen gemacht hat.
Janet Williams, gefeierter lyrischer Sopran an der Staatsoper Unter den Linden Berlin, bei der Einat Ziv ihre Stimme weiter ausbilden lässt, sagt über sie: "Du hast etwas in Deiner Stimme, was nur sehr wenige Sänger und Sängerinnen ihr Eigen nennen können. Das ist die Träne."
In der Tat erliegt man der Kraft dieser Träne, wenn sie in den von Einat Ziv berückend vorgetragenen Puccini-Arien fließt. Doch auch die Händel-, Mozart-, Bellini-, Donizetti, Verdi- und Massenet-Partien gehören zu ihrem Repertoire.